Die Sprache des Sturms


Du hast den Nebel deiner Wahrnehmung erkannt.
Und plötzlich hat sich so vieles verändert.
Du siehst die Welt roher. Echter.
Du hinterfragst mehr.
Schaust genauer hin.
Auf dich.
Auf andere.
Auf das, was dich umgibt.
Auf das was DEINE ungefilterte Wahrheit ist.
Und je klarer dein Blick wird, desto mehr beginnt sich zu bewegen.
Was gestern noch selbstverständlich war, fühlt sich plötzlich nicht mehr nach dir an.
Was gewohnt war, fühlt sich nicht mehr stimmig an.
Was dich definiert hat, ist bloß noch eine Rolle, die du für andere erfüllt hast.
Was dir halt gegeben hat, engt dich ein.
Was für dich einmal Leichtigkeit war, ist nun zur Kontrolle geworden.
Und plötzlich bringt deine neue Wahrnehmung deine ganze Welt zum Beben.
Aber was, passiert, wenn du annimmst und anerkennst, dass der Sturm, der um dich tobt, nicht dein Feind ist, sondern dein Freund?
Was, wenn er ein Bote ist?
Gesandt, um den Nebel deiner Wahrnehmung zu lichten.
Um sichtbar zu machen, was gesehen werden möchte.
Vielleicht will er dich nicht erschüttern.
Vielleicht will er dich erinnern.
An deine Kraft.
An dein Vertrauen.
An das, was in dir bleibt, wenn im Außen alles in Bewegung gerät.
Kannst du es annehmen?
Hast du den Mut, dich in seine Mitte zu stellen?
In deiner vollen Präsenz.
Um einfach nur Wahrzunehmen.
Dich zu lösen von dem Versuch, alles festzuhalten zu wollen.
Alles kontrollieren zu wollen.
Und stattdessen dich in dir selbst zu verwurzeln.
Tiefer.
Verbunden mit Mutter Erde.
Mit dir.
Mit deinem Urvertrauen.
Und vielleicht ist genau dort der Ort, an dem du erkennst:
Mitten im Sturm wohnt eine Stille, die nur in dir zu finden ist.

Übung Auge des Sturms
Nimm dir einen Moment Zeit für dich.
Mach es dir bequem und schließe deine Augen.
Atme ein paar Mal tief ein und langsam wieder aus.
Lass deinen Atem ganz von selbst ruhiger werden.
Und nun stell dir vor, die Dinge, die dich gerade beschäftigen, die dich belasten oder vielleicht auch in dir zum Toben bringen, nehmen die Form eines Sturms an.
Vielleicht kannst du ihn vor deinem inneren Auge sehen. Es fühlen.
Den Wind.
Die Wolken.
Den Regen.
Vielleicht auch Blitz und Donner.
Und du stehst mittendrin.
Im Auge des Sturms.
Stell dir nun vor, wie aus deinen Füßen Wurzeln wachsen.
Wie bei einem Baum verbinden sie dich mit Mutter Erde.
Immer tiefer und tiefer.
Über dir steht die Sonne am Himmel.
Und während um dich herum der Sturm tobt stehst du da. Fest verankert.
Verwurzelt.
Gehalten.
Du musst nichts tun.
Du darfst einfach wahrnehmen.
Vielleicht spürst du die Schwere deiner Sorgen und Gedanken die du mit dir trägst.
Beobachte, wie sie der Wind an die Hand nimmt, wie er sie davonträgt.
Ganz selbstverständlich. Nimm einfach wahr.
Vielleicht lässt ein Blitz etwas aufleuchten.
Vielleicht lässt er etwas verglühen, das gehen darf.
Vielleicht vertreibt der Donner etwas, das du nicht länger tragen möchtest.
Du brauchst nichts festhalten.
Lass es einfach weiterziehen.
Vielleicht zeigen sich dabei Bilder, Situationen, Düfte oder einfach nur ein Gefühl. Nimm wahr, was sich zeigen möchte.
Ohne es festhalten zu müssen. Ohne es verstehen zu müssen.
Und wenn der Sturm langsam ruhiger wird, bleib noch einen Moment dort.
Im Auge des Sturms.
Atme.
Und lausche.
Vielleicht ist da etwas, das du vorher nicht hören konntest.
Vielleicht flüstert der Sturm dir eine Botschaft zu. Vielleicht hält er ein Zeichen für dich bereit.
Und vielleicht fragt er dich:
Was willst du sehen, wenn der Nebel sich lichtet?
Worauf möchtest du deinen Blick richten?
Auf die Trümmer? Auf die Vergangenheit?
Oder auf einen klaren, geebneten Weg?
Nimm dir einen Moment und spüre nach, was in dir auftaucht.
Und dann …
Übergib deine Sorgen dem Wind, er trägt sie fort und dann speise Mutter Erde mit deinen Wünschen und Pflanze sie dort.
Was du dir wünschst, was in dir wachsen darf, darfst du in Mutter Erde pflanzen.
Stell dir dazu vor, wie du sie wie kleine Samen behutsam in ihre Erde legst.
Du musst noch nicht wissen, wann oder wie sie wachsen werden.
Du darfst sie einfach pflanzen.
Und dann …
atme noch einmal tief ein.
Und langsam wieder aus.
Spüre deine Wurzeln.
Spüre den Boden unter dir.
Nimm dir dieses Gefühl mit und verankere es fest in dir.
Und wenn du soweit bist, öffne langsam wieder deine Augen und komme ganz im Hier und Jetzt an.

Es liegt an dir was deine Augen zu sehen glauben und wohin dein Geist sich ausrichtet.
iMMens.



