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Was, wenn der Nebel deiner Wahrnehmung sich nun zeigt?

Autorenbild: Michii
Michii
20. Juli
4 Min. Lesezeit


Manchmal glauben wir, endlich klar sehen zu können.

Das Eis ist geschmolzen.

Das Feuer hat Licht in das gebracht, was lange im Verborgenen lag.

Wir haben hingesehen.

Gefühlt.

Erkannt.

Und doch...

bleibt etwas verschwommen.

Nicht, weil das Licht fehlt.

Sondern weil zwischen dir und deiner Landschaft etwas liegt.

Ein feiner Schleier.

Fast unsichtbar.

So selbstverständlich, dass du ihn vielleicht nie bemerkt hast.

Bis jetzt.


Was, wenn der Nebel deiner Wahrnehmung sich nun zeigt?


Vielleicht dachtest du im ersten Moment, es sei Rauch.

Die letzten Spuren des Feuers, Schattenanteile, die sich noch einmal kurz zeigen.

Doch während die Flammen längst ruhiger geworden sind, bleibt dieser Schleier bestehen.

Und langsam entsteht eine neue Frage.


Was, wenn er schon immer da war?


Nicht, um dich zu täuschen.

Nicht, um dich von deinem Weg abzubringen.

Sondern weil er entstanden ist, als das Leben für einen Moment zu groß, zu laut oder zu schmerzhaft wurde.

Vielleicht hat er dich geschützt.

Vielleicht hat er manches sanfter erscheinen lassen.

Vielleicht hat er verhindert, dass du auf einmal alles sehen musstest.

Unser Leben hinterlässt Spuren.

Erfahrungen.

Worte.

Begegnungen.

Enttäuschungen.

Hoffnungen.

Prägungen.

All das darf Teil unserer Geschichte sein.

Und manchmal legt sich daraus ein feiner Nebel über unsere Wahrnehmung.

Nicht über die Welt.

Sondern über den Blick, mit dem wir ihr begegnen.

Vielleicht sehen wir deshalb dieselbe Situation heute ganz anders als ein anderer Mensch.

Vielleicht hören wir zwischen den Zeilen etwas, das nie ausgesprochen wurde.

Vielleicht fühlen und interpretieren wir, wo jemand einfach nur mit seinen eigenen Worten gesprochen hat.

Nicht, weil wir falsch wahrnehmen.

Sondern, weil unsere Wahrnehmung durch den Nebel wie durch einen Filter zu uns durchdringt, der von unserer Geschichte begleitet wird.


Und irgendwann geschieht etwas Merkwürdiges.

Wir leben so lange mit diesem Nebel, dass wir beginnen, ihn nicht mehr zu sehen...



Was, wenn die Landschaft die ganze Zeit glasklar war? Wenn nicht dein Weg dorthin verschwommen war... sondern einfach nur dein Blick?

Vielleicht beginnt Selbstwahrnehmung genau an diesem Punkt.

Nicht dann, wenn wir jede Antwort kennen.

Sondern wenn wir den Mut haben, genau hinzusehen und zu bemerken, dass zwischen uns und der Welt dieser Nebel liegt.

Ein Filter aus Erinnerungen.

Aus Prägungen.

Aus Schutz.

Aus Erfahrungen.

Und vielleicht sogar aus Liebe zu uns selbst.

Vielleicht hast du nie gelernt, dass beides nicht dasselbe ist.

Vielleicht hast du geglaubt, die Welt sei genau so.

Dabei war es nie die Landschaft, die verschwommen war.

Es war nur der Blick, mit dem du sie betrachtet hast.


Und vielleicht wird uns hier noch etwas bewusst.

Wie oft suchen wir unsere Wahrheit im Außen.

In den Worten anderer.

In ihrem Verhalten.

In ihrer Bestätigung.

Wir glauben, die Welt würde uns zeigen, wer wir sind.

Dabei sehen wir oft nur das, worauf unser eigener Nebel den Blick freigibt.

Nicht, weil das Außen falsch wäre.

Sondern weil jede Begegnung zuerst durch unsere eigene Wahrnehmung zu uns findet.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Einladung.

Nicht den Nebel zu bekämpfen.

Nicht die Welt verändern zu wollen.

Sondern dich selbst immer wieder neu wahrzunehmen.


Denn vielleicht war deine Landschaft die ganze Zeit da. Sie hat nur geduldig darauf gewartet, dass dein Blick ihr wieder begegnet.

So frage dich heute ganz bewusst:

Wo in meinem Leben könnte sich der Nebel meiner Wahrnehmung zeigen?

Welche Gedanken fühlen sich wie meine Wahrheit an?

Und welche davon habe ich vielleicht irgendwann übernommen?

Wo reagiere ich auf das, was gerade geschieht?

Und wo vielleicht auf etwas, das längst vergangen ist?

Was würde ich erkennen, wenn ich für einen Augenblick einfach nur wahrnehme, ohne sofort zu bewerten? Habe ich mein selbst, jemals richtig wahrgenommen? Was heißt es für mich, mich selbst vollkommen wahrzunehmen?

Vielleicht musst du den Nebel heute noch gar nicht lichten. Vielleicht genügt es, zu bemerken, dass er da ist. Denn alles, was wahrgenommen wird, darf irgendwann auch in Bewegung kommen.

Mentale Übung: Dem Nebel begegnen


Wie schon bei unseren letzten kleinen Forschungsreisen darfst du dir einen ruhigen Moment nur für dich schenken. Schließe sanft deine Augen.

Atme tief ein.

Und langsam wieder aus.

Stell dir vor, du befindest dich erneut an deinem vertrauten Ort.

Die Landschaft ist still.

Du erkennst ihre Umrisse.

Doch heute bemerkst du dass feiner Nebel über ihr liegt als das Licht deiner Wahrnehmung darauf fällt.

Du musst ihn nicht vertreiben.

Du musst nichts verändern.

Nimm einfach wahr.

Wo ist der Nebel dichter?

Wo ist er leichter?

Welche Bereiche kannst du klar erkennen?

Welche bleiben verborgen?

Während du ruhig weiter atmest, frage dich:

Wie fühlt es sich an, nicht alles sofort erkennen zu müssen?


Kannst du dem Nebel erlauben, einfach da zu sein?

Ohne ihn zu hinterfragen.

Ohne gegen ihn anzukämpfen.

Ohne ihn festhalten zu wollen.

Vielleicht bemerkst du, dass auch der Nebel Teil dieser Landschaft ist.

Und dass darunter nichts verloren gegangen ist.

Sondern dass es eher das Landschaftsbild noch vielschichtiger und interessanter macht.

Die Wege sind noch da und sehen vielleicht durch den Nebel viel weicher aus.

Die Bäume stehen fest verwurzelt an ihrem Platz und neigen sich in verschiedensten Farbschattierungen dem Himmel empor.

Die Wiese trägt ein samtiges Kleid. Die Hügel und Berge zeigen ihre unendliche Dimension durch dieses Licht und Schattenspiel. Je genauer du hinsiehst desto mehr entdeckst du in dieser wunderschönen Landschaft.

Werde dir Bewusst, dass stets du, die Ebenen und den Winkel deiner Sicht wählst.


Bleibe noch einen Moment an diesem Ort.

Nimm wahr, was sich dazu zeigen möchte.

Vielleicht ein Gedanke.

Ein Gefühl.

Ein Bild.

Ein Symbol.

Ein innerer Ruf.

Oder einfach nur Ruhe. Vertraue darauf dass dein inneres stets weiß wie es mit dir klar Kommunizieren kann. Es liegt an dir es Wahrzunehmen.

Wenn du soweit bist, bedanke dich bei deiner inneren Landschaft. Komme wieder im jetzt an, indem du die Geräusche um dich langsam wieder wahr nimmst.

Die Unterlage und den Boden unter deinen Füßen wieder klar spürst. Indem du ein paar tiefe Atemzüge nimmst. Deinen Körper streckst und ihn bewusst fühlst, bis du langsam deine Augen öffnest um wieder ganz im Hier und jetzt präsent zu sein.

Vielleicht beginnt alles mit der Bereitschaft, den Nebel überhaupt wahrzunehmen. Welchen Winkel deiner Wahrnehmung wählst du?

Mach deine Welt iMMens bunt!

Deine Michii

 
 

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Michaela Muthsam

Mondseestraße 24/2

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